Forschungsmethodik III
 
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Häufig gemachte Fehler

Checkliste zur Vermeidung häufig gemachter Fehler im schriftlichen Bericht

1. formale Gesichtspunkte:

a) Rechtschreibung:
Da oft erstaunlich viele Rechtschreibprobleme auftreten, soll der Bericht auf korrekte Rechtschreibung (wenn möglich, hinsichtlich der Rechtschreibreform) überprüft werden. Dazu kann man die elektronische Rechtschreibprüfung des jeweiligen Textverarbeitungsprogramms verwenden. Oft ist es aber notwendig, auf nicht-elektronische Mittel (Duden, Wörterbücher etc.) zurückzugreifen.

b) Literaturangaben:
Bei jeder im Text erwähnten Literatur muß man sich die Frage stellen: "Habe ich die Arbeit im Original gelesen ?". Wenn das nicht der Fall ist, muß zumindest im Text erwähnt werden, daß es sich um Sekundärzitate handelt. Im Literaturverzeichnis ist dann die Originalarbeit zuzüglich eines Verweises auf jene Literatur anzugeben, aus der die Originalarbeit zitiert wurde.
Weiters ist zu hinterfragen: "Kann man erwarten, daß der/die LeserIn manche Aussagen ohne Literaturangabe nachvollziehen kann, oder weiß, wo sie gegebenenfalls nachschlagen kann?". Nur dort, wo man sich sicher ist, daß die entsprechenden Inhalte zum Allgemeinwissen der Zielgruppe gehören, kann eine Literaturangabe wegfallen.
Jede Literaturangabe im Text muß im Literaturverzeichnis aufscheinen!

c) Tabellen und Abbildungen:
Oft werden Tabellen und Abbildungen verwechselt. Als Kriterium für die Entscheidung, was als Tabelle oder Abbildung bezeichnet wird gilt: Abbildungen werden mit Grafikprogrammen, Tabellen gegebenenfalls mit Tabellenkalkulationsprogrammen (oder Tabellenfunktionen in Textverarbeitungsprogrammen) erstellt.
Der Titel der Tabellen wird über die jeweilige Tabelle, der Titel der Abbildung unter die jeweilige Abbildung geschrieben.
Alle Tabellen und Abbildungen (auch jene im Anhang) müssen im Text erwähnt werden. Dabei ist es absolut notwendig, daß im Verweis die jeweilige Abbildungs- oder Tabellennummer enthalten ist (z.B.: "siehe Abbildung 4").

d) Es ist auf geschlechtsneutrale Ausdrucksweise zu achten (bspw. ProbandInnen).

e) Zusammenhang zwischen Text und Anhang:
Oft geht man fälschlicherweise davon aus
- keine Rückverweise im Text zu benötigen, da sich der/die LeserIn ohnehin an zuvor Berichtetes erinnert
- daß der/die LeserIn genügend Zeit hat Zusammenhänge zwischen Text und Anhang herzustellen.
Unerläßlich sind aber Querverweise, die sowohl Zusammenhänge zwischen Inhalten im Text, als auch zwischen Text und Anhang herstellen. Es bietet sich an, den Anhang mit einem eigenen Inhaltsverzeichnis zu versehen, um dem/der LeserIn ein mühsames Suchen zu ersparen.
Ausdrucke von Ergebnissen statistischer Computerverfahren (z.B.: SPSS) gehören ihn den Anhang. Im Text sollen die wichtigsten Informationen kurz dargestellt werden.

f) CD ROM:
Wenn eine CD ROM zur Datendokumentation abgegeben wird, sollte eine abheftbare Hülle (Anm.: wird "clip tray" genannt) für die CD verwendet werden. Auch für Disketten gibt es eigene Klarsichthüllen, die man benutzen sollte.

g) Welches Textverarbeitungsprogramm soll verwendet werden?
Neben "Microsoft Word" gibt es noch das Programm LaTeX. LaTex ist nicht so einfach zu bedienen und funktioniert nicht auf jedem Computer, bietet aber im Gegensatz zu Word völlige Kontrolle über die Abläufe im Programm.
Auch HTML Editoren können verwendet werden, obwohl die Darstellung von Formeln hier schwieriger zu realisieren ist. Zusätzlich gibt es Konvertierungsprogramme, die TeX-Daten in HTML-Daten umschreiben können.

h) Urteile:
Immer dann, wenn aus verschiedenen Gründen (z.B: zur Illustration) die Ergebnisse selektiv unterteilt werden, müssen die Gesichtspunkte nach denen selektiert wurde mitgeteilt werden.


2. inhaltliche Gesichtspunkte:

a) Weitere Hilfe:
Es ist möglich, daß neben der Beratung durch Prof. Albert und die TutorInnen weitere Hilfe in Anspruch genommen wurde (was sich nicht negativ auf die Note auswirkt, ganz im Gegenteil). Die Erwähnung der Beratung zu spezifischen Inhalten muß entweder durch Fußnoten an der entsprechenden Stelle, oder durch eine Danksagung am Beginn der Arbeit erfolgen.

b) Zusammenfassungen:
Das Schreiben guter Zusammenfassungen ist eine Frage der Übung. Grundsätzlich sollte man beim Verfassen der Zusammenfassung folgendermaßen vorgehen:
Durchlesen von guten Zusammenfassungen in Fachzeitschriften.
Folgende Fragen stellen: Was wird vermittelt? Ist das Wichtigste der Arbeit enthalten? Kann man die Zusammenfassung verstehen?
Jedes Gruppenmitglied schreibt eine Zusammenfassung, die von den anderen Gruppenmitgliedern durchgelesen und konstruktiv kritisiert wird.
Die Zusammenfassung wird gemeinsam in der Gruppe geschrieben.
Gute Zusammenfassungen sind wichtig, weil bei der Literatursuche in Datenbanken vor allem nach dem Inhalt des Abstracts (neben Autor und Arbeitstitel) sortiert wird. Auch bei Gutachten und Anträgen spielt die Qualität der Zusammenfassung eine große Rolle.
In der Zusammenfassung wird auf Literaturangaben verzichtet. Nur bei älteren Arbeiten ( > zehn Jahre) wird der Zeitraum im Text erwähnt.

c) Verständnis:
Man sollte versuchen den Bericht mit den Augen einer Person zu lesen, die nichts über das Thema der Arbeit weiß und sich folgende Fragen stellen:
-Ist die Person in der Lage den Bericht zu verstehen?
-Wo könnte die Person Verständnisschwierigkeiten haben?
Solche Verständnisschwierigkeiten entstehen immer dann, wenn Erklärungen zu einem Begriff an der falschen Stelle gegeben werden (meist zu spät).

d) In den Anhang oder in den Text?
Wichtige Ergebnisse gehören nicht in den Anhang, sondern in den Text.
In den Anhang gehören Ergänzungen zu den im Text behandelten Inhalten.
Wenn über die Leistung von ProbandInnen in verschiedenen Aufgaben berichtet wird, bietet es sich an, im Anhang als Ergänzung zum Ergebnisteil eine Tabelle folgender Art hinzuzufügen. In die Spalten werden die Aufgaben, in die Zeilen die Personen eingetragen. In die Zellen trägt man dann die Aufgabenergebnisse (z.B.: "gelöst"/"nicht gelöst"/"nicht bearbeitet", oder Latenzen etc.) ein.
Die Instruktionen werden in genauem Wortlaut im Anhang wiedergegeben. Im Text soll die Instruktion nur dann ausführlich und wörtlich wiedergegeben werden, wenn sie mit der Fragestellung zu tun hat. In allen anderen Fällen (z.B.: bei der Instruktion für die Bedienung einer Apparatur) reicht eine Kurzfassung im Text aus.

e) Stand der Forschung:
Über die Größe der berichteten Effekte (z.B.: bei Latenzen) müssen konkrete Angaben gemacht werden. Dies kann dadurch geschehen, daß konkrete Zahlen in Klammern angegeben werden.

f) Methodenteil:
Der/die LeserIn soll sich ein Bild machen können, was im Versuch passiert ist.
Die Dauer der Versuchsphasen und der gesamten Sitzung muß angegeben werden (Mittelwert und Standardabweichung).
Bei Gruppenversuchen muß die Anzahl der Teilnehmer pro Gruppe angegeben werden. Die Größe der Gruppe hat Einfluß auf das Verhalten der Einzelpersonen. Je größer die Gruppe ist, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit einer Störung und desto schwieriger die Beobachtung des Verhaltens der einzelnen TeilnehmerInnen.

g) Ergebnisteil:
-Vor der Hypothesenprüfung soll anschaulich darüber berichtet werden, was passiert ist, was man beobachtet hat und wie sich die ProbandInnen verhalten haben. Die Ergebnisse werden in dieser Reihenfolge dargestellt:
deskriptive Darstellung
Entscheidung über die Bedeutsamkeit der Ergebnisse mittels inferenzstatistischer Auswertung
Interpretation
-Es müssen präzise Angaben gemacht werden, wie man zu den Ergebnissen gekommen ist (z.B.: Mittelwerte - worüber wurde gemittelt?).
-Wenn Aufgaben als "richtig gelöst" oder "falsch gelöst" klassifiziert werden, muß definiert und angegeben werden, in welchem Fall eine Aufgabe als richtig, in welchem als falsch bewertet wurde.

h) Methodenteil und Ergebnisteil:
- Es müssen mindestens solche Informationen gegeben werden, die für den/die LeserIn eine Beurteilung der Arbeit als gut oder schlecht ermöglicht.
- Alle Situationsvariablen, die einen Einfluß auf das Ergebnis und die Interpretation haben können, müssen mitgeteilt werden. Die Variable "Luftfeuchtigkeit" hat wahrscheinlich in viele Fällen keinerlei Auswirkung. Wenn aber die Möglichkeit besteht, daß sie einen Einfluß auf das Ergebnis hat, muß konkret darüber berichtet werden.
- Jene Informationen, die es ermöglichen die Angemessenheit der Ergebnisse zu beurteilen, müssen gegeben werden.

i) Illustrationen:
Es ist zu überlegen, wo durch Illustrationen (z.B.: Tabellen und Abbildungen) das Verständnis des Texts verbessert werden kann.

j) Regel:
Der Bericht muß vor der Abgabe von jedem Gruppenmitglied nochmals gelesen werden, um zu vermeiden, daß sinnleere, umgangssprachliche Passagen vorkommen (vgl. Aussage: "Die Auswertung der Hypothese...").

k) Frage:
Könnte man nicht versuchen die mögliche Auswirkung mancher Störvariablen nachträglich einer Prüfung unterziehen? Oft begnügt man sich mit dem Versuch potentielle Störeinflüsse konstant zu halten ohne zu überprüfen, ob das tatsächlich gelungen ist.

 

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